Lernziele
- Sie kennen den Hauptvorteil, die logische Internetschicht (IP) von der physischen Netzzugangsschicht (MAC) zu trennen.
- Sie erkennen eine MAC-Adresse und können sie von einer IP-Adresse unterscheiden.
- Sie können erklären, welche IP- und MAC-Adresse in einem Paket steht, wenn es
- im lokalen Netzwerk verschickt wird (IP und MAC des Ziel-Computers),
- in ein anderes Netzwerk gesendet wird (IP des Ziel-Computers, MAC des Gateways).
- Die Namen der Schichten müssen Sie nicht auswendig lernen.
Das Wichtigste zuerst: das IP-Paket surft auf Frames
Vielleicht haben Sie sich gefragt: Wie schickt mein Computer etwas an den Gateway, ohne die Ziel-IP zu überschreiben?
Die Antwort: Er überschreibt sie gar nicht. Das IP-Paket bleibt auf dem ganzen Weg unverändert — mit der Ziel-IP des End-Computers. Aber es wird von Station zu Station in einen einfachen «Postcontainer» verladen: einen Frame. Auf dem Frame steht jeweils nur die Adresse der nächsten Stelle (z.B. des Gateways).
Das ist der Hauptvorteil dieser Trennung: Das IP-Paket muss sich nicht darum kümmern, wie es physisch zur nächsten Stelle kommt — über WiFi, Kupferkabel oder Glasfaser. Es surft auf einer Welle wechselnder Frames von Stelle zu Stelle, während die IP-Logik darüber unverändert bestehen bleibt.

Die zwei Schichten im Überblick:
- Internetschicht (IP, kennen Sie schon): löst, mit welcher Adresslogik man Daten über mehrere Netzwerke hinweg vermittelt. Darum heisst die IP-Adresse auch «logische» Adresse.
- Netzzugangsschicht (neu — z.B. WiFi und Ethernet): löst das physische Problem, wie ein Frame über Antenne oder Kabel zur nächsten Stelle kommt, ohne dass Pakete kollidieren.
Die MAC-Adresse
Frames adressieren nicht über IP, sondern über die MAC-Adresse: die Hardware-ID der Netzwerkkarte, vom Hersteller fest eingestellt (darum «physische» Adresse). Sie erkennen sie so:
- 6 Byte lang, hexadezimal notiert, mit Doppelpunkten oder Bindestrichen.
- Die höchste Adresse
ff:ff:ff:ff:ff:ffist die Broadcast-Adresse (geht an alle).
8b:3b:06:af:9c:df
0a:a4:3c:e5:55:04
81:03:ce:85:fa:d1
ff:ff:ff:ff:ff:ff (Broadcast)
ARP: von der IP zur MAC
Für Geräte im gleichen Netzwerk führt Ihr Computer eine Tabelle, welche IP zu welcher MAC gehört. Sie sehen sie mit arp -a:
Internet Address Physical Address Type
192.168.1.1 50-e0-39-61-4f-40 dynamic
192.168.1.75 dc-e5-5b-77-ef-a7 dynamic
192.168.1.116 d8-47-32-fa-d4-60 dynamic
Und wenn die MAC zu einer IP noch nicht bekannt ist? Dann ruft der Computer per Broadcast ins ganze Netz: «Wer hat diese IP? Bitte MAC-Adresse melden.» Das ist ARP (Address Resolution Protocol).
Antwortet das Gerät, trägt der Computer das IP-MAC-Paar in seine ARP-Tabelle ein — ab dann läuft die Kommunikation direkt.

Switches & Access-Points (optional)Ein Switch ändert nichts an den Frames und kennt keine IP-Adressen — stellen Sie ihn sich als etwas schlauere Mehrfachsteckdose vor. Er merkt sich in einer Tabelle, an welchem Anschluss welche MAC sitzt, und leitet Frames gezielt dorthin. Ein WLAN-Access-Point baut mit jedem Gerät eine verschlüsselte 1:1-Verbindung (WPA) auf und agiert im Kern ebenfalls wie ein Switch.
Der Clou: lokal vs. fremdes Netz
Jetzt zur entscheidenden Unterscheidung. Schickt Computer A ein Paket an Computer B in einem anderen Netzwerk, dann verpackt A das IP-Paket (mit Ziel-IP von B) in einen Frame mit der MAC-Adresse des Routers:

So surft dasselbe IP-Paket über eine Serie verschiedener Frames: Die IP-Adresse des Ziels bleibt konstant, die MAC-Adresse wechselt bei jedem Schritt auf die jeweils nächste Stelle.
✏️ Jetzt sind Sie dran
Übung 1: MAC oder IP? (einfach)Welche dieser Adressen sind MAC-, welche IP-Adressen?
192.168.1.1·0a:a4:3c:e5:55:04·10.0.0.255·ff:ff:ff:ff:ff:ffLösungIP (vier Dezimalzahlen, Punkte):
192.168.1.1,10.0.0.255. MAC (sechs Hex-Paare, Doppelpunkte):0a:a4:3c:e5:55:04,ff:ff:ff:ff:ff:ff(Broadcast).
Übung 2: Welche Adressen stehen im Paket? (mittel)Ihr Computer (
192.168.1.10) im Netz255.255.255.0will ein Paket schicken. Welche Ziel-IP und welche Ziel-MAC stehen im ersten Frame, der Ihren Computer verlässt?a) Ziel ist
192.168.1.50(im selben Netz).
b) Ziel ist93.184.216.34(irgendwo im Internet), Ihr Gateway ist192.168.1.1.Lösunga) Ziel-IP =
192.168.1.50, Ziel-MAC = die MAC von192.168.1.50(lokal, per ARP ermittelt).b) Ziel-IP =93.184.216.34(bleibt bis zum Ziel erhalten!), Ziel-MAC = die MAC des Gateways192.168.1.1. Die IP zeigt aufs Endziel, der Frame nur auf den nächsten Schritt.
Übung 3: ARP selbst anschauen (praktisch)Öffnen Sie eine Kommandozeile und tippen Sie
arp -a. Welche Geräte sind aktuell in Ihrer Tabelle? Welche IP gehört wohl zu Ihrem Router (Gateway)? Tipp: oft die.1Ihres Netzes.
Geschafft — die ganze Reise des PaketsSie haben das Paket auf seiner kompletten Reise begleitet: von der Adresse (IP) über das Subnetz, das Routing (Dijkstra) und das echte Internet (BGP, Valley-free) bis zur Verbindung (TCP, Ports) und schliesslich hinunter aufs Kabel (MAC, Frames). Damit verstehen Sie im Kern, was bei jedem Klick passiert. 🎉